Über den Iseler zum Wiedhag

geschrieben von Susanne am 23. Juni 2015 um 23.54 Uhr
Kategorie: Bergtouren, Ernährung, Wildpflanzen
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Um kurz vor sechs Uhr wachte ich auf, war putzmunter und vor allem hungrig. Ich machte es mir daher auf der Küchenbank mit dem Rest der Papaya (400 Gramm) und einem Büchlein mit Touren rund um Bad Hindelang gemütlich. Gegen 7.30 Uhr krabbelte ich noch einmal ins Bett, schlief eineinhalb Stunden lang tief und fest und brach dann um kurz nach neun Uhr bei strömendem Regen Richtung Dorfmitte auf. Mein erster Weg führte ins Sportgeschäft, dieses Mal auf der Suche nach Handschuhen und einem verstellbarem Gürtel. Die dickere Wanderhose war nämlich trotz Größe 36 etwas weit und drohte immer nach unten zu rutschen.

Einen Gürtel, der genau meinen Wünschen entsprach, hatten sie, bei den Handschuhen hatte ich kein Glück. In einem kleinen Laden, der von mit allerlei Krimskrams vollgestopft war, bekam ich außerdem einen kleinen Regenschirm. Weiter ging es mit dem Besuch der beiden Hingelanger Metzgereien. Ein gutes Kilogramm Keule vom Hirsch, zwei Schweinshaxen und 600 Gramm Fleisch vom Gamswild standen danach für das heutige Abendessen zur Auswahl. Außerdem erbeutete ich ein Kilogramm Erdbeeren, von denen es 350 Gramm nach meiner Rückkehr ins Basislager als zweites Frühstück gab:

Nach einer kurzen Lagebesprechung waren wir um 12.45 Uhr startklar für unsere nächste Tour. Es sollte Richtung Iseler gehen, der hier von unserem Balkon aus zu sehen ist:

Ob wir bis auf den Gipfel steigen würden, würde das Wetter entscheiden, das zu diesem Zeitpunkt sehr wechselhaft und windig war. Die junge Frau, die mir die Erdbeeren verkaufte, erzählte mir, dass es hier in der Region nur sehr wenige Sonnentage gäbe und es meistens regnete oder wenn es nicht regnete, schneite. Aber ob Sonne oder Regen, alles war gut, wenn man die richtige Kleidung trug. Und auch wenn ich normalerweise Textilien aus natürlichen Materialien wie Baumwolle oder Leinen bevorzugte, gerade bei sportlichen Aktivitäten aller Art hatten synthetische Fasern durchaus ihren Vorteil. Der Weg führte anfangs bergauf über Wiesen und Weiden bis zum Hirschbachtobel. Allerdings ging es dieses Mal nicht durch den Tobel nach oben, sondern ein kleines Stück entlang des Bergwachtwegs und dann weiter auf dem Palmenweg Richtung Iseler-Platz-Hütte. Der Weg war eigentlich gar kein Weg, sondern ein Bachlauf, den man hinaufsteigen musste:

Palmenberg_Iseler_2

Gut, dass die Wanderschuhe im unteren Bereich mit Gummi gegen das herabströmende Wasser geschützt waren. Immer wieder flossen kleinere Bäche auch von der Seite auf den Weg:

Palmenberg_Iseler_3

Ich machte an solchen Stellen einige Male Halt und trank frisches Bergwasser. Mitten auf dem Weg saß dieser schwarze Salamander und schaute mit großen Augen in die Welt:

Schwarzer_Salamander

Auf dem letzten Abschnitt vor dem Erreichen der Hütte führte der Weg durch einen der typischen Nadelwälder der Region:

Palmenberg_Iseler_6

Die Hütte war geschlossen, für mich gab es aber trotzdem eine kleine Leckerei:

Schnittlauch

Von der Hütte aus ging es weiter zur Bergstation der Iselerbahn:

Mittlerweile hatten wir uns trotz des weiterhin unbeständigen Wetters entschieden, den Aufstieg zum Iseler zu wagen. Der Weg führte laut einer Tafel durch das artenreichste Alpenblumen-Gebiet Europas. Die Vielfalt an Pflanzen, die ich auf dem Weg zum Gipfel zu sehen bekam, war in der Tat beeindruckend. Hier war ein blauer Enzian zu sehen:

Blauer_Enzian

Je höher wir kamen, desto karger wurde die Vegetation. Immer öfter führte der Weg über Geröll und Felsen:

Palmenberg_Iseler_9

Das Gipfelkreuz vor Augen:

Palmenberg_Iseler_13

Auf dem Iseler Gipfel, 1876 Meter über dem Meeresspiegel:

Blick vom Iseler über die angrenzende Bergwelt:

Palmenberg_Iseler_16

Das Panorama war beeindruckend, die dunklen Regenwolken in weiter Ferne, so dass wir, statt wie ursprünglich geplant, Richtung Hinterstein abzusteigen, über den Bergrücken zum Wiedhag wanderten. Hier war der erste Teil der Strecke zu sehen:

Iseler_Wiedhag_4

Ich blieb immer wieder stehen, genoss das Abenteuer, über schmale Pfade zu wandern und die herrliche Aussicht und machte viele Bilder. Viel zu viele, um sie alle veröffentlichen zu können. Eigentlich konnten sowieso weder Bilder und Worte wiedergeben, was ich während der gut eineinhalb Stunden, die wir auf dem Bergrücken unterwegs waren, empfand. Wäre ich Musiker, hätte ich versucht, meine Gefühle in Töne zu verwandeln, wäre ich Dichter, sie in Worte zu fassen und wäre ich Maler, sie auf einer Leinwand festzuhalten. Da ich aber keines von allem war, blieb mir nur das Schweigen. Oder das Armeausbreiten, wie am Kühgundkopf, um die Welt zu umarmen und allen Göttern zu danken, dass ich dies erleben durfte:

Iseler_Wiedhag_18

Vom Wiedhag aus ging es über Oberjoch zurück nach Bad Hindelang. Wir waren sechs Stunden und 40 Minuten unterwegs und legten in dieser Zeit 18,5 Kilometer und 1400 Höhenmeter zurück. Wie die letzten beiden Tage aß ich unterwegs zahlreiche Wildpflanzen, auf einer Wiese in der Nähe von Oberjoch große Mengen an Wiesenbocksbart. Nach der Wanderung gab es um 19 Uhr 700 Gramm Wassermelone.

Die letzte Mahlzeit fand von 22.50 bis 23.10 Uhr nach dem Sichten und Sortieren der heute gemachten Bilder statt und bestand – wie zu erwarten war – aus Fleisch. Zur Auswahl standen Hirsch, Wildschwein und Gamswild. Geruchlich waren keine großen Unterschiede feststellbar, so dass ich mich schließlich mit dem Verstand für das Fleisch vom Hirsch entschied. Von diesem konnte ich nämlich morgen Nachschub bekommen. Zum ersten Mal seit langer Zeit genoss ich das Wildfleisch übrigens ohne ein mulmiges Gefühl. Das Tier stammte aus der Region und da es hier außer Wiesen und Weiden keine landwirtschaftlichen Nutzflächen gab, konnte es sich wahrscheinlich weder an Getreide, noch an Raps oder Mais, einschließlich der eingesetzten Chemikalien, gütlich tun. Die verzehrte Menge betrug 320 Gramm.

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