Nach unserem letzten Ausflug im Sattel tauschen wir heute die Velos gegen die Wanderschuhe. Unser Plan: Eine abwechslungsreiche Talwärts-Wanderung durch alpine Landschaften und wilde Schluchten. Wir stellen das Auto im geschichtsträchtigen Thusis ab und lassen uns ganz entspannt vom Postbus hinauf nach Sufers chauffieren. Hier, auf rund 1400 Metern über Meer, geht es los.
Gleich zu Beginn erwartet uns eine herrliche Kulisse. Der Wanderweg führt uns zunächst direkt am Ufer des malerischen Sufnersees entlang. Das Wasser schimmert einladend türkisblau, während sich im Hintergrund die noch leicht schneebedeckten Berggipfel in den Himmel recken. Ein perfektes Panorama zum Warmwandern:
Unsere heutige Route ist nicht irgendein Wanderweg, wir befinden uns auf einem echten Klassiker der Schweizer Weitwanderwege: der Via Spluga. Seit Jahrhunderten verbindet dieser Kultur- und Weitwanderweg das graubündnerische Hinterrheintal mit der italienischen Lombardei. Schon bald verabschieden wir uns vom Seeufer und wandern weiter zur Festungsanlage „Crestawald“:
Die Festungsanlage „Crestawald“ liegt eingebettet in die Felsen oberhalb der Roflaschlucht: Sie wurde im Zweiten Weltkrieg (1939–1941) erbaut, um den strategisch wichtigen Übergang über den Splügenpass zu sichern. Bis zum Ende des Kalten Krieges blieb die Anlage streng geheim. Heute ist Crestawald ein faszinierendes Festungsmuseum, das einen tiefen Einblick in das unterirdische Labyrinth aus Kasematten, Munitionsmagazinen und Kanonenständen bietet. Allerdings nur im Sommer und nur an Samstagen! Wir marschieren daher zügig an der Festungsanlage vorbei und müssen kurz darauf wenige Meter parallel einer Straße laufen:
Dann aber beginnt auch schon der schönsten Streckenabschnitt, wild, wurzeldurchzogen und teilweise über Holz- oder Steinstufen führend:
Und immer wieder mit herrlichen Ausblicken auf den Hinterrhein:
Die Route erweist sich als sehr abwechslungsreich und architektonisch spannend. Mal spazieren wir auf einem gut gesicherten Holzsteg direkt seitlich der Strasse, mal führt der Weg fast schon spektakulär wie ein tiefhängender Balkon unterhalb der Fahrbahn an der nackten Felswand entlang. Je tiefer wir kommen, desto wilder gebärdet sich die Natur. Der Weg leitet uns schliesslich direkt hinunter an den rauschenden Flusslauf des Hinterrheins:
Zwischen gewaltigen, vom Wasser glattgespülten Felsbrocken bahnt sich hier ein kleiner Wasserfall seinen Weg:
Wir halten inne, erfrischen die Füße im eiskalten Wasser und geniessen die Urgewalt der Natur:
Nach der kurzen Rast verlassen wir das Ufer des Hinterrheins und steigen über einen schmalen Pfad bergauf:
Der Kontrast zwischen Natur und moderner Infrastruktur könnte auf dem folgenden Abschnitt kaum grösser sein. Während wir uns auf dem schmalen, steinigen Pfad an der steilen Flanke konzentriert vorwärtsbewegen, blicken wir hinüber auf die kühn geschwungenen Betonbrücken der Nationalstrasse, die sich durch das enge Tal fressen:
Wir laufen weiter zum Gasthaus Roflaschlucht. Dort gibt es einen Wasserfall zu besichtigen, allerdings nur gegen ein Eintrittsgeld von 5 Franken. Das Geld sparen wir uns, der Blick auf den Fluss ist auch so spektakulär genug:
Der Lai da Seara bei Bärenburg:
Kurz vor dem Ziel unserer Wanderung passieren wir ein beeindruckendes Stück moderner Ingenieurskunst: das Kraftwerk Bärenburg. Die Anlage ist das Herzstück und die Zentrale der mittleren Stufe der Kraftwerke Hinterrhein AG (KHR). Das markante Zentralengebäude nutzt das Wasser, das im höher gelegenen Speichersee Sufers, unserem heutigen Startpunkt, gesammelt und durch einen unterirdischen Druckstollen hierher geleitet wird. Mit seinen mächtigen Turbinen erzeugt das Werk jährlich enorme Mengen an Strom aus alpiner Wasserkraft. Direkt unterhalb der Zentrale befindet sich zudem das Ausgleichsbecken Bärenburg, welches das Wasser reguliert, bevor es weiter flussabwärts in Richtung der Kraftwerksstufe in Küblis geleitet wird. Ein faszinierendes Zusammenspiel aus Naturkraft und Technik, das uns vor Augen führt, wie wertvoll die alpine Ressource Wasser für die gesamte Region ist.
Mein Fazit:
Eine absolut empfehlenswerte Genusswanderung mit der perfekten Mischung aus unberührter Natur, abwechslungsreicher Wegführung und einer gehörigen Portion Alpingeschichte! Der Kontrast zwischen dem idyllischen Sufnersee zu Beginn, dem wilden, wurzeldurchzogenen Pfad entlang des Hinterrheins ist einfach genial. Wenn man die Route so wie wir als Bergabwanderung absolviert, schont sie zudem die Kondition und lässt viel Raum, um die spektakulären Tiefblicke, die Festung Crestawald und das imposante Kraftwerk Bärenburg in aller Ruhe zu bestaunen. 
Toureninfos:
- Anreise: Mit dem Auto nach Thusis, von dort mit dem Postbus weiter zum Startpunkt nach Sufers.
- Start: Sufers (ca. 1430 m ü. M.)
- Ziel: Bärenburg / Andeer (ca. 1040 m ü. M.)
- Route: Sufers – Sufnersee – Festungsanlage Crestawald – Roflaschlucht / Hinterrhein – Kraftwerk Bärenburg – Bärenburg (Andeer)
- Distanz: ca. 8,5 km
- Wegtyp: Teil der historischen „Via Spluga“ (Schweizer Wanderroute Nr. 50)
- Streckencharakter: Sehr abwechslungsreich; von gemütlichen Uferpfaden über wilde, wurzel- und steinstufenreiche Waldwege bis hin zu spektakulären Holzstegen und Felsbalkonen.
- Schwierigkeit: Leicht bis Mittel (T1/T2); Trittsicherheit auf den wurzeligen Abschnitten und Stufen im Wald erforderlich.
- Highlights: Das türkisblaue Panorama des Sufnersees, die historischen Pfade der Via Spluga, das unterirdische Festungsmuseum Crestawald, die tosenden Wasserfälle am Flusslauf des Hinterrheins und die imposante Zentrale des Kraftwerks Bärenburg.




















































































