Rot- und Heubatspitze

geschrieben von Susanne am 28. Juni 2015 um 23.57 Uhr
Kategorie: Bergtouren, Ernährung, Wildpflanzen
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Sonntag, Ruhetag, außer Erdbeeren konnte ich heute nichts besorgen. Aber nach Erdbeeren stand mir in der Früh eh nicht der Sinn, so dass ich heute ausnahmsweise einmal auf meine morgendliche Einkaufstour verzichtete. Die erste Mahlzeit fand um 10.30 Uhr auf dem Balkon sitzend statt und bestand aus 520 Gramm Aprikosen. Es war herrlich, im Halbschatten eines Sonnenschirms zu sitzen, den Blick auf die Berge zu genießen und dann mit geschlossenen Augen wieder einmal das Träumen anzufangen. So kam es, dass wir erst nach 12 Uhr startklar für unsere nächste Tour waren: Heute sollte es auf die Rotspitze gehen, einen 2034 Meter hohen Gipfel, den man ebenfalls von unserem Balkon aus sehen konnte. Der Bus brachte uns um 12.55 Uhr von Hindelang nach Bruck.

Von dort aus führte der Weg ungewohnt gemächlich aufwärts zum Cafe Horn und von dort aus auf einer asphaltierten Straße entlang durch das Retterschwangertal Richtung Häbelesgund, so wie bei der Tour auf den Breitenberg. Am Häbelesgrund trennten sich dann die Wege und es ging weiter zwischen Latschen ins obere Kar – so bezeichnet man kesselförmige Vertiefungen an Berghängen unterhalb eines Gipfels – und schließlich in Kehren über eine große Halde. So weit war alles gut, der Aufstieg war zwar wie immer beschwerlich, bot aber keine besonderen mentalen Herausforderungen. Diese kamen erst später, als wir in einer schmalen Rinne zum Nordgrat hochstiegen:

Nicht nur, dass ich dort meine Hände zur Hilfe nehmen musste, um überhaupt hochzukommen, es polterten auf einmal auch Steine von anderen Gipfelstürmern von oben herunter. Allerdings war die Rinne noch harmlos gegenüber dem, was danach kam. Hier konnte man wenigstens nur in eine Richtung fallen, nämlich nach unten. Weiter oben ging es dann aber auch rechts oder links – oder auch nach beiden Seiten gleichzeitig – direkt nach unten. Ich schaute auf diesem Streckenabschnitt nur noch auf die vor mir liegenden Felsen und hielt immer wieder kurz an, damit der Puls sich beruhigen konnte. Für “richtige” Bergsteiger war dieser Aufstieg sicherlich der reinste Spaziergang, mich Flachlandmädel gruselte es allerdings gewaltig. Aber schließlich hatte ich es geschafft, ich stand oben auf dem Gipfel:

Die Aussicht war wieder einmal phänomenal. Hier der Blick auf den Kleinen und Großen Daumen:

Rotspitze_Heubatspitze_8

Hier waren die Heubatspitze und die Hohen Gänge zu sehen, über die man zum Breitenberg steigen konnte:

Rotspitze_Heubatspitze_9

Auf dem Gipfel gab es gegen 15.45 Uhr eine Mahlzeit mit etwa 300 Gramm Aprikosen. Eine Bergdohle kam immer wieder in unsere Nähe, um zu schauen, ob vielleicht etwas für sie abfiel:

Bergdohle

Von der Rotspitze wanderten wir dann einen schmalen Grat entlang zur Heubatspitze:

Rotspitze_Heubatspitze_10

Diese Strecke bot keine besonderen mentalen Herausforderungen, der Abstieg vom Iseler zum Wiedhag war wesentlich anspruchsvoller. Von der Heubatspitze ging es gegen 17 Uhr über die Mittlere Hasenalpe wieder herunter ins Retterschwangertal. Für mich, nachdem die oberen Steilhänge überwunden waren, einer der schönsten Abstiege der letzten Tage, unter anderem mit Blick aufs Nebelhorn:

Rotspitze_Heubatspitze_12

Rotspitze_Heubatspitze_14

In der durchs Retterschwangertal fließenden Bsonderach konnte ich meine heiß gelaufenen Füße kühlen und die letzten der mitgenommenen Aprikosen, etwa 200 Gramm, sowie einige Walderdbeeren essen. Unsere Aktivitäten fanden unter den neugierigen Augen einiger Kühe statt:

Kuehe_am_Berg

Mittlerweile lag das Tal schon im Schatten, während hinter uns die Berge im Licht der Abendsonne leuchteten:

Insgesamt waren wir 7,5 Stunden unterwegs, eineinhalb Stunden davon machten wir Pause. Die Streckenlänge betrug 18,5 Kilometer und es waren 1400 Höhenmeter zu überwinden. Außer den mitgenommen Aprikosen und Walderdbeeren gab es für mich Stängel und Blüten des Wiesenbocksbarts, Margeritenblüten, Blüten der Halbkugeligen Teufelskralle und Blüten des Alpen-Wundklees:

Alpen_Wundklee

Meine letzte Mahlzeit fand von 20.45 bis 21.15 Uhr auf dem Balkon sitzend mit Blick auf den Breitenberg und den aufgehenden Mond statt:

Sie bestand aus 300 Gramm Fleisch vom Gamswild. Es war mittlerweile gut “abgelegen” – abhängen kann es im Kühlschrank leider nicht – und schmeckte noch besser als das letzte Mal.

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Diese Seite wurde zuletzt am 16. November 2019 um 12.59 Uhr GMT geändert.