Vom Schrecksee aufs Gaishorn

geschrieben von Susanne am 26. Juni 2015 um 23.58 Uhr
Kategorie: Bergtouren, Ernährung, Wildpflanzen
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Morgens um etwa neun Uhr aufstehen, einkaufen gehen, frühstücken und anschließend wandern bzw. kraxeln. Mittlerweile war dieser Tagesablauf zur Routine geworden. Heute waren wir zu zweit unterwegs, um Nachschub an Lebensmitteln zu besorgen. Außerdem bestellte ich mir im Buchladen die “Naturgeschichte Allgäu” von Michael Schneider und kaufte zwei Bücher, einen geologisch-naturkundlichen Wanderführer vom Hintersteiner Tal und Steinbachs Naturführer “Alpenblumen”.

Eine solche Fülle an verschiedenen Wildblumen wie hier, war mir bisher noch nicht begegnet. Alle Farben und Formen waren anzutreffen und selbst in den höheren Regionen tauchte zwischen dem steinigen Geröll das ein oder andere Blümchen auf. Manchmal durchquerten wir Gebiete, die einem riesigen, farbenfroh blühenden Steingarten glichen. Man sagte, dass die Milch von Alpenkühen besonders wertvoll wäre. Das glaubte ich gerne, wenn ich sah, wie vielfältig die Flora der Weiden hier war. Trotzdem überließ ich die Milch lieber den Kälbchen. Bei einem Stück Fleisch vom Alpen-Weiderind oder von Schafen, die ebenfalls auf den Alpen anzutreffen waren, würde ich schon eher zugreifen.

Um 11 Uhr waren endlich alle Einkäufe erledigt und es konnte gefrühstückt werden. Für mich gab es 350 Gramm Erdbeeren und 450 Gramm Aprikosen. Um kurz vor zwölf Uhr waren Guido und ich dann startklar für die nächste Tour. Wir fuhren mit dem Bus von Bad Hindelang nach Hinterstein und wanderten von dort aus zum 1813 Meter hoch gelegenen Schrecksee. Der erste Streckenabschnitt führte über eine Straße, die aber nur von Bussen bzw. Anliegern befahren werden durfte, hinauf zum Elektrizitätswerk von Hindelang. Von dort aus ging es auf einem steinigen, steilen Fußweg durch einen Wald bergauf, später über die Weiden einer ehemaligen Alpe. Es waren fast 1000 Höhenmeter zu überwinden, bis wir den traumhaft schönen Schrecksee zu Gesicht bekamen:

Schrecksee_Gaishorn_12

An seinem Ufer legten wir eine kurze Rast ein, aßen Kirschen, die von mir verzehrte Menge betrug etwa 300 Gramm, und genossen die unberührte Landschaft um uns herum. :sonne: Um den letzten Bus von Hinterstein nach Bad Hindelang zu bekommen, hätten wir von hier aus denselben Weg zurückgehen müssen. Aber weiter durch unbekanntes Gebiet zu wandern, erschien uns wesentlich verlockender. So ging es weiter hinauf bis zur “Hinteren Schafwanne”:

Schrecksee_Gaishorn_15

Von dort aus wanderten wir auf österreichischem Boden mit Blick auf das Tannheimer Tal und den Vilsalpsee weiter:

Schrecksee_Gaishorn_16

Dabei waren sowohl Geröllfelder als auch Schneefelder zu überqueren:

Schrecksee_Gaishorn_20

Schließlich erreichten wir die “Vordere Schafwanne”:

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Statt von hier aus wie ursprünglich geplant direkt zur Willers-Alpe weiterzuwandern, lockte das vor uns liegende Gaishorn so sehr, dass wir einen Abstecher auf den Gipfel machten. Der Abstecher lohnte sich, wir hatten eine fantastische Fernsicht bis ins Alpenvorland im Norden und bis in die tiefsten Weiten der Alpen im Süden:

Schrecksee_Gaishorn_29

Und ich konnte mich wieder einmal zusammen mit einem Gipfelkreuz verewigen lassen:

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Das Gaishorn lag 2249 Meter hoch und war somit der bisher höchste Gipfel, den ich bestieg. Wir hielten uns trotz der wunderbaren Aussicht und milden Temperaturen nicht sehr lange auf. Immerhin war es schon nach 18 Uhr und der Abstieg hinunter ins Tal würde über zwei Stunden dauern. Bei der Willers-Alpe legten wir noch einmal eine kurze Rast ein und aßen die restlichen Kirschen. Dann ging es nach Hinterstein, wo wir das Glück hatten, mit einem Taxi direkt nach Hause gebracht zu werden. Glück deshalb, weil es nur ein einziges Taxi im Ort gab und der Fahrer kurze Zeit später andere Fahrten zu erledigen hatte.

Insgesamt dauerte unsere Tour acht Stunden, eineinhalb Stunden Pause inklusive. Die zurückgelegte Strecke betrug 21 Kilometer, dabei mussten 1675 Höhenmeter überwunden werden. An Wildkräutern gab es heute Wilden Schnittlauch, der in großen Beständen am Ufer des Schrecksees wuchs, Löwenzahnblüten, Blüten eines Pippaus, Wiesenbocksbart und vor allem reichlich Blütenstände vom Brillenschötchen. Diese Pflanzenart gehörte zur Familie der Kreuzblütengewächse und schmeckte ganz zart nach Kohl. Um 21.30 Uhr aß ich 50 Gramm Erdbeeen und 300 Gramm Aprikosen. Als Betthupferl gab es um 23.45 Uhr 175 Gramm Wabenhonig. Ein süßer Abschluss für einen wunderbaren Tag!

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Diese Seite wurde zuletzt am 16. November 2019 um 12.53 Uhr GMT geändert.