In meinem Tagebuch teile ich Erlebnisse aus meinem Alltag – besonders rund um meine Ernährung mit rohen, naturbelassenen Lebensmitteln und meine Zeit in der Natur. Da meine Einträge im Laufe der Jahre immer persönlicher geworden sind, sind sie – mit Ausnahme der Tourenberichte – nur noch im Abobereich zugänglich. Bei Interesse kann man sich gerne bei mir melden. Viel Freude beim Stöbern und Entdecken!
Nach Vormittagsdienst und Mittagessen brauche ich eine Ruhepause. Nach einer zweistündigen Siesta fühle ich mich aber wieder fit genug für eine nachmittägliche Tour: Zusammen mit Guido steige ich über Pardela zu den oberhalb der Wiesner Alp gelegenen Hütten von Rüggji auf, der Rückweg führt über die Berghütte Martrüel und die Schmittner Alp:
Frühlings-Enziane auf den Wiesen von Pardela:
Ein ziemlich blasser Alpen-Enzian:
Was oder wer ihm wohl über den Weg gelaufen sein mag, dass er so blass geworden ist?! Bei den kleinen Heu-Hütten von Rüggji, der grüne Fleck in der Bildmitte ist ein Stück der Wiesner Alp:
Der Blick von Rüggji zum Tiaun:
Der Kontrast zwischen schon ergrünten Weideflächen und den höher gelegenen, von Weitem noch ziemlich farblos aussehenden Flächen ist faszinierend. Aber auch wenn manche Flächen noch farblos aussehen, kommt man näher, sind unzählige Farbtupfer zu erkennen: Neben blauen Enzianen blühen weiße und lila Krokusse sowie Frühlings- und Alpen-Anemomen in weiß bzw. gelb. Letztere ist hier zu sehen:
Der Wanderweg von Rüggji zur Berghütte Martrüel dient zurzeit streckenweise als Bachbett:
Auf dem Weg, der von Martrüel zur Schmittner Alp führt:
An der Schmittner Alp kommt die Sonne hinter den Wolken hervor und lässt die Alp und die Gipfel der Bergüner Stöcke in ihrem Licht erstrahlen:
Die letzten Sonnenstrahlen des Tages leuchten durch junges Lärchengrün:
Wir sind erst gegen 21 Uhr wieder zurück zu Hause, dementsprechend spät findet das Abendessen statt. Der Mahlzeitenüberblick:
21.30 Uhr: 400 Gramm Fleisch und Fett vom Rind, 190 Gramm Blumenkohl (Strunk und Kopf), 90 Gramm Sesam
PS: Am Abend erreicht mich eine Nachricht über WhatsApp: Meine Chefin bittet mich, morgen früh außerplanmäßig im Dorfladen mitzuhelfen. Mache ich gerne!
Den Vormittag verbringen Guido und ich zu Hause, nachmittags steigen wir zum Chegel- bzw. Kegelplatz auf. Hier waren wir im November 2020 während unseres Abstiegs vom Tiaun das letzte Mal: Unverhofftes Gipfelglück. Das Ziel des heutigen Aufstiegs ist es, die Felsformationen in diesem Gebiet mit Willi, Guidos Drohne, zu erkunden. Bis nach Acla, unserem ersten Zwischenziel, sind dreihundert Höhenmeter zu überwinden, von Acla nach Zaplina, einer Weidefläche auf rund 2000 Höhenmetern, nochmals 400. Das Panorama bei Zaplina:
Der Aufstieg von Zaplina zum Chegelplatz führt über einen schmalen, kaum erkennbaren Pfad nach oben:
Hier trauen sich die ersten Frühlings-Anemonen und das noch robustere Immergrüne Felsenblümchen ans Sonnenlicht:
Das Immergrüne Felsenblümchen ist durch seine immergrünen, ledrigen Laubblätter an Standorte in großen Höhen bestens angepasst. Unser Aufstieg endet an der Schneegrenze auf rund 2300 Höhenmetern. Während Guido die Drohne startet, verkrieche ich mich hinter einen Felsen, der mich wenigstens ein bisschen vor dem heftigen und zudem kalten Wind schützt:
Die Aussicht, die ich hier genießen kann, ist beeindruckend. In der Ferne ist sogar der Piz Bernina, der einzige Viertausender der Ostalpen und der höchste Berg Graubündens, mit dem berühmten Biancograt zu erkennen:
Ziemlich durchgefroren, aber guter Stimmung geht es eine Stunde später wieder nach unten:
Auf einem durch Latschenkiefern führenden Wegabschnitt ist es mehr oder weniger windstill und die Temperaturen sind deutlich angenehmer als auf dem Chegelplatz:
Zudem duftet es hier wunderbar nach Kiefernnadeln. Nacktständige Kugelblumen und Frühlings-Enzian schmücken den Wegesrand:
An der Alp Afiein:
Die Wiesen rund um die Alp sind mit unzähligen Hornveilchen geschmückt:
Zwischen der Alp Afiein und der Schmittner Alp wachsender Alpen-Enzian:
An den Hütten der Schmittner Alp:
Der Abstieg von der Schmittner Alp erfolgt über Pardela. So sieht die heutige Wanderung in der Übersicht aus:
Wir wandern heute von Schmitten aus hinunter ins Landwassertal. Der Blick über Wiese und Landschaft auf dem Weg nach unten:
Im Tal angekommen laufen wir in Richtung Alvaneu-Bad weiter und stoßen dabei auf einen Wegweiser Richtung „Schaftobel“. Das Schaftobel ist laut Beschreibungen eine wildromantische Felsschlucht, die sich vom Landwasser-Tal bis auf etwa 2400 Höhenmetern zieht und unterhalb des Tinzenhorns endet. Die Schlucht wird geprägt durch den Schaftobelbach, der über zahlreiche Felsstufen hinunter ins Tal stürzt. Den Weg dort hinauf wollten wir schon seit Längerem erkunden, so dass wir nicht lange zögern und dem Wegweiser folgen. Wenige hundert Meter weiter stoßen wir auf einen den Weg versperrenden Erdrutsch, den wir aber relativ mühelos überqueren können. Was uns allerdings dann aber beinahe davon abhält, dem Weg weiter zu folgen, ist eine am Boden liegende, schon sehr mitgenommen aussehende Tafel, die daraufhinweist, dass der Wanderweg durch das Schaftobel aus Sicherheitsgründen gesperrt ist. Nun ja, Angucken können wir uns die Sache ja mal, wir gehen also trotz dieses Hinweises weiter:
Als wir um eine Ecke biegen, blicken wir auf beeindruckende Felsformationen, einen Tunnel und auf den ersten und größten der zahlreichen Wasserfälle, die den Schaftobel hinunterstürzen:
Wie wir später Tourenberichten entnehmen können, machen an dieser Stelle viele Wanderer kehrt. Wir sind jedoch so fasziniert, dass wir weitergehen. Teilweise ist der Weg mit Stützmauern und Geländer befestigt, aber Steinschlag, Hochwasser und Lawinen haben ihre Spuren hinterlassen: Geländer sind verbogen, Stützmauern abgerutscht, umgestürzte Bäume liegen über dem Weg. Hier herrscht eindeutig die Natur, nicht der Mensch. Ein weiterer Wasserfall:
Ein Blick zurück:
Ein Stück weiter öffnet sich die Schlucht und wir können bis nach Alvaneu Dorf blicken:
Die Spuren der Naturgewalten, die im Tobel herrschen, sind auf jedem Meter des Weges zu sehen und zu spüren, trotzdem zögern wir nicht, weiter zu gehen:
Ich bin immer ein paar Meter vor Guido, der sich viel Zeit zum Fotografieren und Filmen nimmt:
Hier führt die erste Brücke über den Tobel:
So ganz wohl ist uns beim Überqueren nicht, aber keiner von uns beiden denkt ans Umkehren. Hier geben die Felsen den Blick auf Schmitten und unser Haus frei:
Der nach der Brücke folgende Wegabschnitt führt durch einen Wald. Hier herrscht nach dem abenteuerlichen Wegabschnitt durch die Schlucht eine ruhige und sichere Stimmung. Die Luftfeuchtigkeit ist so hoch, dass Boden und Felsen großflächig von Moosen bewachsen sind:
Nach der Passage durch den Wald taucht die nächste Brücke vor uns auf:
Sie entspricht wie die erste nicht unbedingt den Sicherheitsvorschriften. Noch kritischer erscheint uns der Zustand der dritten Brücke, die zu überqueren ist:
Ihr Fundament wurde weggespült und es nur noch eine Frage der Zeit, wann sie abrutscht. Immerhin lässt sie uns heute noch passieren. Brücke Nummer vier ist dann allerdings gänzlich unpassierbar:
Die Vorstellung, nun doch umkehren zu müssen, behagt uns überhaupt nicht. Aber nach einem Blick auf die Karte sehen wir, dass wir einen anderen Weg nehmen können, der kurz vor der Brücke nach oben führt:
Im weiteren Wegverlauf sind zwei Lawinenabgänge zu überqueren:
Nach den Gefahren, die hinter uns liegen, ist dies aber eine vergleichsweise harmlos Angelegenheit. Regelrecht gemütlich, wenn auch lang, ist dann der folgende Wegabschnitt, der uns durch einen traumhaft schönen, naturbelassenen Wald zurück nach Filisur führt. Um 19.40 Uhr erblicken wir in der Ferne unser Zuhause:
Ob wir es schaffen, noch vor Einbruch der Dunkelheit nach Hause zu kommen? Schließlich müssen wir nicht nur den Talboden bei Filisur erreichen, von Filisur hinauf nach Schmitten sind nochmals 300 Höhenmeter zu überwinden. Aber wir sind zuversichtlich, dass wir es schaffen, schließlich steckt die Energie des Schaftobelbaches in uns. Eine letzte Aufnahme, bevor die Sonne hinter den Bergen versinkt:
Während wir die letzten Meter hinauf nach Schmitten bewältigen, steigt neben uns der Mond empor:
Welch genialer Abschluss unserer Tour! So sieht sie in der Übersicht aus:
Wenn man sich im Schaftobel so viel Zeit zum Schauen, Staunen und Fotografieren wie wir nimmt, braucht man für die Strecke sechseinhalb Stunden. Aus einer ursprünglich geplanten, kleinen Nachmittagsrunde ist also eine Halbtagestour geworden!
Wir wandern heute von Schmitten aus zur Alp da la Creusch:
Die ursprüngliche Idee war, zu schauen, ob der Verbindungsweg zwischen Raglauna und Aclas Davains wieder begehbar ist und dann über Aclas Davains, Aclas Dafora und Alvaneu nach Schmitten zurückzukehren. Ende April war der Weg noch nicht oder nur unter Lebensgefahr begehbar: So nah und doch so fern. Mittlerweile liegt an der heiklen Stelle kein Schnee mehr, nur eine über den Gebirgsbach führende Schneebrücke ist zu überqueren:
Der Blick nach unten lässt ahnen, dass es besser ist, an dieser Stelle nicht ins Rutschen kommen:
Statt nach Aclas Davains zu wandern, beschließen wir spontan, einen Aufstieg zur Alp da la Creusch zu wagen. Der Weg führt über eine Jägerhütte, die von zwei eisigen Gesellen bewacht wird:
Je weiter wir nach oben kommen, desto mehr Schnee liegt auf den Weiden:
Der Blick in die Bova Gronda:
Noch geht es vorwärts, ohne dass wir im Schnee versinken:
Hier liegt sogar ein Stück der Straße frei:
Schon ein paar Meter weiter stellt sich dann aber die Frage, wie es weitergehen kann:
Auch wenn wir mit Bedacht vorwärts gehen, ab und zu versinken wir dann doch bis zu den Knien im Schnee. Und den letzten, steilen Aufstieg zur Alp da la Creusch müssen wir uns hart erkämpfen:
Geschafft, knapp drei Stunden nach Beginn unserer Tour erreichen wir die Alp da la Creusch:
Das Panorama und die Stimmung vor Ort lassen die Mühen des Aufstiegs schnell vergessen. Der Blick nach Süden:
Der Südwesten:
Im Westen bzw. Nordwesten liegen das Lenzer Horn und der Pizza Naira:
Wie genießen das Panorama ausgiebig, aber irgendwann müssen wir uns dann doch an den Abstieg machen. Laut Wegweiser braucht man rund zweieinhalb Stunden zurück nach Schmitten:
Den steilen Abstieg durch den Schnee halte ich fotografisch nicht fest, erst als wir schon auf relativ sicherem Gebiet sind, greife ich wieder zur Kamera:
Hier sind wir schon fast wieder im grünen Bereich:
Schlussendlich benötigen wir knapp zwei Stunden zurück nach Schmitten. Schuhe und Strümpfe sind pitschnass, aber die Füße warm und unsere Herzen übervoll.
PS: Die Landschaft rund um die Alp da la Creusch aus der Vogelperspektive gesehen:
Am Morgen setze ich die Lektüre des Buches „Die menschliche Seele“ fort und erfahre, dass es eine menschliche Seele gar nicht gibt:
Zunächst einmal, und das ist am widersprüchlichsten, ist es keine „menschliche“ Seele. Wir nennen sie „menschliche“ Seele, weil wir hier bei euch auf der Erde sind und weil ihr sie so nennt. […] Euere Seele war schon an anderen Orten, auf anderen Planeten und in anderen Konstellationen mit dabei. […] Ihr entdeckt, dass eure Seele keine menschliche Seele ist; sie ist ein Gottesteil von euch und ist seit Ewigkeiten an der Entwicklung von Leben in dieser Galaxie beteiligt. Es ist wirklich eine alte Seele.
Wow, da haben wir als Menschen ja schon ziemliche Abenteuer hinter uns! Schade, dass die meisten von uns sich nicht mehr daran erinnern. Mir gehen solche Überlegungen eigentlich ein bisschen zu weit, was mich allerdings nicht davon abhalten wird, das Buch zu Ende zu lesen. Am Nachmittag lege ich die Lektüre aber erst einmal zur Seite und wandere zusammen mit Guido hinauf nach Raglauna und darüber hinaus, bis zu einem Gebiet, das sich „Gebrenst“ nennt:
Die Wiesen von Raglauna waren am Morgen schneebedeckt, als wir am späten Nachmittag dort eintreffen, sind allerdings kaum noch Spuren vom nächtlichen Schneefall zu entdecken. Von Raglauna aus erkunden wir eine schmalen, durch den Wald führenden Pfad bis auf etwa 2010 Metern Höhe. Dort liegt noch so viel Schnee, dass wir die weitere Erkundung des Geländes vorerst aufgeben und nach Raglauna zurückkehren:
Der weitere Abstieg erfolgt über Acla und Wiseli. Nach der Wanderung widme ich mich den letzten Seite des Buches „Die menschliche Seele“: Die Resonanz, die ich beim Lesen des ersten Drittels verspürte, ist mittlerweile verloren gegangen. Weder mein Kopf, noch mein Herz sagen ja zu dem, was hier geschrieben steht. Meine Suche nach für mich stimmigen Informationen und Ideen über die Seele geht also weiter. Aber wahrscheinlich nicht gleich morgen, denn dann arbeite ich wieder neun Stunden im Dorfladen und beschäftige mich mit sehr profanen Dingen wie Waren verräumen, Kassieren und Putzen. Meine heutigen Mahlzeiten: