In meinem Tagebuch teile ich Erlebnisse aus meinem Alltag – besonders rund um meine Ernährung mit rohen, naturbelassenen Lebensmitteln und meine Zeit in der Natur. Da meine Einträge im Laufe der Jahre immer persönlicher geworden sind, sind sie – mit Ausnahme der Tourenberichte – nur noch im Abobereich zugänglich. Bei Interesse kann man sich gerne bei mir melden. Viel Freude beim Stöbern und Entdecken!
Die Erinnerungen an die Vergangenheit, die gestern beim Schreiben meiner Geschichte aufkamen, ließen mich bis weit nach Mitternacht nicht zur Ruhe kommen. Damals hatte ich zusammen mit meinen Kindern mühelos ein neues Zuhause gefunden, warum gelang mir das jetzt zusammen mit Guido nicht? Gegen drei Uhr in der Frühe schlief ich endlich ein. Einige zaghafte Sonnenstrahlen, die nach dem gestrigen Regentag den Weg nach Oberstdorf fanden, lockten mich um 9.00 Uhr aus dem Bett. Zwei Stunden später gab es die erste Mahlzeit. Sie bestand aus einer Tomate „Marina“ von 140 Gramm und 110 Gramm Zuckerhut. Sowohl der Obst- und Gemüsehändler als auch Guido waren ganz begeistert von dem Aroma dieser Tomatensorte, meinen Bedarf traf sie allerdings nicht. Der lag eindeutig beim roten Paprika:
370 Gramm aß ich davon mit Genuss. 120 Gramm Feldsalat und eine halbe Stunde Sonnenlicht ergänzten die Mahlzeit. Eine halbe Stunde, in der ich im Reich der Träume unterwegs war:
Die Aufnahmen von Freibergsee und Umgebung entstanden auf einer dreistündigen Wanderung nach dem Sonnenbad. Sie führte uns zu Beginn über die Wiesen von Oberstdorf:
Anschließend ging es zum Freibergsee, von dort aus über den Alpengasthof Schwand und die Heiner-Klopfer-Skiflugschanze zurück nach Oberstdorf. Die Streckenlänge betrug etwa 12 Kilometer. Nach der Wanderung aß ich um 18.00 Uhr 120 Gramm Fleisch vom Reh und 550 Gramm Fleisch vom Lamm. Den Rest des Abends verbrachte ich mit Internetrecherchen. Unter anderem suchte ich inspiriert von einer Diskussion im Abenteuer-Rohkost Forum über Vitamin D nach „Gebirge Vitamin-D“ und fand folgende Informationen:
Nur in Regionen südlich des 41./42. Breitengrades oder im Hochgebirge kann die erforderliche UVB-Strahlung auch im Winter getankt werden, so dass ein winterlicher Urlaub am Mittelmeer oder in den Bergen eine gute Idee ist.
SPIEGEL ONLINE: Können wir bei dem trüben Winterwetter ausreichend Vitamin D bilden?
Reichrath: Nein – dafür muss UVB-Strahlung auf die Haut treffen. Durch den ungünstigen Sonnenwinkel in unseren Breiten im Herbst und Winter muss die Sonnenstrahlung eine so weite Strecke durch die Atmosphäre zurücklegen, dass kaum UVB auf der Erdoberfläche ankommt. Untersuchungen in vergleichbaren Regionen haben gezeigt, dass man kaum was synthetisieren kann – außer man ist im Hochgebirge.
Im Winter sorgt der Schnee, namentlich im Gebirge durch Reflexion für eine vermehrte UV-Strahlung.
Diese Informationen bestätigten meine Überzeugung, dass es kein Urlaub in den Tropen sein musste, um im Winter seinen Vitamin-D-Spiegel aufzubessern. Ein Urlaub im Gebirge tat es auch.
Als heutiges Ausflugsziel hatten wir uns das Rubihorn ausgeguckt:
Wir starteten um 14.15 Uhr und wie gestern führte unser Weg zuerst durch den Faltenbachtobel hinauf zur Seealpe. Blauer Himmel und Sonnenschein begleiteten uns und der Tobel präsentierte sich von seiner schönsten Seite:
Auf dem Weg von der Seealpe zum Roßbichel aß ich wie gestern Blüten vom Rotklee. Heute kamen einige Margeritenblüten dazu:
Die Blüten eines Kranzenzians bwunderte ich nur:
Zahlreiche Exemplare dieser Art mit zum Teil noch vollständig geschlossenen Knospen säumten den Wegesrand. Sie waren wohl erst vor kurzem aus der Erde gekrochen. Je höher wir stiegen, desto wärmer wurde es und auf der Höhe des Roßbichels zog ich nicht nur Jacke und Pullover aus, sondern trennte auch meine Hosenbeine ab. So ließ es schon viel angenehmer vorwärts schreiten:
Außer Blüten fand und aß ich erstmals reife Berg-Hagebutten. Sie schmeckten nicht ganz so armomatisch wie die „normalen“. Dieser Pilz stand ebenfalls am Wegesrand:
Auf eine Kostprobe verzichtete ich ausnahmsweise. Mein Kosmos-Pilzratgeber verriet mir später, dass es sich bei diesem Exemplar um einen Dickschaligen Kartoffelbovist gehandelt hatte, der als giftig deklariert wurde. Um 17.15 Uhr erreichten wir dann mit den letzten Sonnenstrahlen des Tages den Gipfel:
Mit dem Verschwinden der Sonne wurde es plötzlich so kalt, dass ich nicht nur Pullover, Jacke und lange Hose, sondern auch Handschuhe und Stirnband anzog. Während wir am An- bzw. Umziehen waren, tauchte über dem Gipfel plötzlich ein Drachenflieger auf und rief uns mit einem Lachen „Da glaubt man sich mal unbeobachtet!“ zu, drehte ab und verschwand in Richtung Tal:
Wie am 26. Juli stiegen wir über den Unteren Gaisalpsee ab:
Hier war die Luft noch klar, das Tal lag hingegen schon unter einer Nebeldecke:
Beim Erreichen der Richter-Alpe um 19.15 Uhr wurde es langsam aber sicher dunkel. Die Stirnlampen blieben trotzdem eingepackt, eine Wanderung über dunkle Pfade hatte unserer Meinung nach ihre eigenen, ganz besonderen Reize!
Unser heutiges Tourenziel ist der Hindelanger Klettersteig. In der 18. Auflage des Alpenvereinsführers „Allgäuer Alpen“ von Dieter Seibert wurde der Hindelanger Klettersteig folgendermaßen beschrieben:
Man erreicht von dort (Anm.: von der Gipfelstation des Nebelhorns) in wenigen Minuten den ersten markanten Felsturm mit Leiter, ein Auftakt, der das Können testet. Teilweise ohne Sicherungen weiter zum Westlichen Wengenkopf, 2235 Meter. Über eine Stufe hinab, dann in relativ freier Kletterei im ständigen Auf und Ab über einen waagerechten Grat mit vielen kleinen Felsköpfen. Nochmals hinab in die tiefste Scharte mit Abstiegsmöglichkeit zum Koblat (Anm.: karstiges Hochplateau unterhalb des Klettersteigs). Leiter über eine steile Felsstufe, dann wieder über kleine, gut gesicherte Felserhebungen zum Östlichen Wengenkopf, 2206 Meter, längerer Abstieg (Leiter), auf recht ausgesetzter Schneide über hohen, steilen Nord-Wänden und über weitere Felsköpfe in die zweite tiefere Scharte (wieder mit Abstieg zum Koblat), „Zwiebelstränge“ nennt man den dritten, nochmals recht langen Gratabschnitt mit zum Teil schmalen, eindrucksvollen Schneiden, mehreren Leitern, ausgesetzten Felsplatten usw.
Diese Zeilen hatte ich mir vor der Tour durchgelesen. Was mich dann wirklich erwarten würde, davon hatte ich aber keinerlei Vorstellungen. Erst am Abend, als ich wieder gemütlich zu Hause am Tisch saß und diese Zeilen schrieb, konnte ich sagen, es war die bisher schönste, abenteuerlichste und emotional berührendste Tour dieses Sommers, ja wenn nicht meines Lebens überhaupt. Es war einfach alles stimmig, angefangen vom Wetter bis hin zu der Tatsache, dass wir fast allein unterwegs waren. Normalerweise war der Hindelanger Klettersteig vor allem bei schönem Wetter sehr gut besucht, so dass es immer wieder vorkommen konnte, dass man an den Schlüsselstellen warten musste.
Dass wir fast allein unterwegs waren, lag vor allem daran, dass wir wie immer erst gegen Mittag aufbrachen. Wem nach dem Begehen des Klettersteigs und der Rückkehr zur Station „Höfatsblick“ der Nebelhornbahn der Abstieg nach Oberstdorf zu viel wurde, der muss nämlich zeitiger los. Die letzte Bahn Richtung Tal fuhr um etwa 17 Uhr. Um diese Uhrzeit waren wir noch mitten im Klettersteig. Anfangs mussten wir uns allerdings schon ins Menschengetümmel stürzen: An der Talstation der Nebelhornbahn war heute um einiges mehr los als gestern. Aber an der Gipfelstation angekommen, waren nur ein paar Schritte in Richtung Klettersteig notwendig und schon herrschte Ruhe ums uns herum. Ein Blick zurück zum Gipfel zeigte uns, welches Gewimmel wir gerade hinter uns gelassen hatten:
Kurz vor dem Einstieg in den Klettersteig ging es ans Anlegen von Helm, Brille, Handschuhen, Klettergurt und Klettersteigset. Hier war ich fertig gerüstet:
Aufgrund der Vielzahl der Bilder, die unterwegs entstanden, gab es heute eine Premiere: Wir vereinten unsere Bilder zu einer Slide-Show, die auf Youtube zu sehen war:
Die Bilder sagten sicherlich mehr als viele Worte. So viel aber noch zur Ergänzung: Einige ungesicherte Stellen hatten es wirklich in sich. Nicht, dass sie besonders schwierig waren, aber ein Fehltritt konnte hier fatale Folgen haben. So gesehen hätte man sich die ganze Ausrüstung auch sparen können. In der Tat kamen uns auf der Strecke zwei Männer, die beiden einzigen, die uns begegneten, ohne besondere Ausrüstung entgegen. Mir gab die Ausrüstung allerdings die notwendige innere Ruhe, die man gerade als Anfänger im Gebirge brauchte, um nicht in Panik zu geraten.
Auf der Strecke bis zum Großen Daumen waren knapp fünf Kilometer, davon etwa 800 Meter mit Drahtseilen gesichert und 110 Meter Eisenleitern zurückzulegen. Deshalb war dieser Steig zwar von der Kletterei her nicht besonders schwierig (UIAA-Skala I bis II), aber konditionell recht anspruchsvoll. Wem es zuviel wurde, der hatte die Möglichkeit, über vier Notausstiege die Tour abzubrechen und ins Koblat abzusteigen.
Ging man die ganze Tour bis zum Großen Daumen, musste man außerdem berücksichtigen, dass der Rückweg durchs Koblat auch nicht ganz ohne war. Hier konnte man sich zwar nicht zu Tode stürzen, aber es empfahl sich trotzdem, konzentriert und aufmerksam unterwegs zu sein. Sonst bekam man von einem der vielen auf dem Weg herumliegenden Steine unversehens ein Bein gestellt. Als wir um 19.15 Uhr den Rückweg antraten, war die Sonne schon hinter dem Grat des Hindelanger Klettersteigs verschwunden und der Koblat lag vollständig im Schatten:
Obwohl wir uns ziemlich sputen mussten, um vor der Dunkelheit am Höfatsblick zu sein, von wo aus der Weg nach unten über Asphalt führte und damit die Gefahr des Stolperns sehr gering war, hätten wir keine Stunde früher hier sein wollen. Denn so kamen wir in den Genuss, die im Osten liegenden Berge, unter ihnen beziehungsweise mitten drin der Hochvogel, in zahlreichen Farbnuancen bewundern zu können, die durch die untergehende Sonne hervorgerufen wurden. Zwei davon verewigte ich:
Um 20.40 Uhr erreichten wir die Station „Höfatsblick“. Der Abstieg nach Oberstdorf verlief in vollkommener Dunkelheit. Die Daten unserer heutigen Tour: Wir waren ab der Gipfelstation des Nebelhorns acht Stunden und 20 Minuten unterwegs und legten in dieser Zeit 19 Kilometer, davon 630 Meter im Aufstieg und 2015 Meter im Abstieg zurück.
Um 13.30 Uhr machten wir uns auf den Weg zur Talstation der Nebelhornbahn. Bei dem heißen Wetter wollten wir uns den Aufstieg zum Höfatsblick sparen und uns ausnahmsweise den Luxus einer Bergfahrt gönnen. Um diese Uhrzeit war an der Station kaum etwas los, so dass wir zügig passieren konnten und innerhalb von 15 Minuten die Station Höfatsblick vor Augen hatten:
Von hier aus wollten wir zuerst Richtung Westen über den Großen Gund zum Geißfuß, dann weiter nach Norden übers Gängele hinauf zum Entschenkopf wandern und diesen überschreiten:
Bei der Besteigung des Entschenkopfs musste ich Ende Juni auf Grund mangelnder Kondition noch passen und Guido alleine gehen lassen. Aber heute wollten wir uns gemeinsam ins Gipfelbuch eintragen. Von der Station Höfatsblick aus ging es erst einmal gemächlich den Berg hinunter. Hier lag der Große Gund vor uns:
An der Wegkreuzung von Gängele und Gais-Alpe:
Blick vom Gängele auf den Oberen und Unteren Gaisalpsee:
Die Südflanke des Entschenkopfs, an der eine Kletterpassage der Schwierigkeitsstufe I zu überwinden war:
Die Belohnung für die Mühe: Richtung Süden ein herrlicher Blick aufs Nebelhorn und den anschließenden Hindelanger Klettersteig, Richtung Norden eine nicht weniger beeindruckende Aussicht auf die Rotspitze und hinunter ins Rettenschwangertal:
Danach ging es knapp eine Stunde auf einem schmalen, aber meist gut begehbaren Grat weiter Richtung Gipfel. Nur ab und an waren kurze Kletterpassagen zu überwinden. Beim Verewigen unserer Namen im Gipfelbuch:
Nach einer längeren Rast ging es an den Abstieg. Er führte zu Beginn über sehr steile Geröllpassagen:
Dies war wohl die schwierigste Stelle der Tour, an der die Hände wieder einmal mit anpacken mussten:
In der Nähe der Falken-Alpe hatten wir sämtliche schwierigen Passagen hinter uns und konnten den Rest der Strecke auf breiten Waldwegen und über Wiesengelände zurücklegen:
Während wir uns langsam aber sicher dem Tal näherten, versank die Sonne hinter den Bergen:
Um 13.45 Uhr waren Guido und ich startklar für unsere nächste Tour: Wir fuhren mit den Fahrrädern durchs Stillachtal bis etwas oberhalb von Birgsau und stellten sie dort an einen Baum. Ein kleiner schwarzer Pfeil markierte die Stelle auf dem Kartenausschnitt:
Mit Mauleseln wären wir sicherlich noch etwas weiter den Berg hinaufgekommen, aber Drahtesel waren für Bergtouren nur begrenzt einsetzbar! Etwas mühsam und schwerfällig ging es von dort aus steil den Berg hinauf zur Hinteren Einödsberg-Alpe. Obwohl der Weg im Schatten verlief, floss bei Temperaturen von um die 30 Grad Celsius der Schweiß in Strömen. Endlich lag die Alpe vor uns:
Auf einem teilweise von Kühen ausgetretenen Pfad ging es weiter hinauf zum Spätengundkopf. An einer Wegkreuzung in der Nähe des Gipfels hatte man eine wunderbare Aussicht Richtung Höfats und auf den grasbewachsenen Kamm des Himmelschrofenzugs:
Auf den Spätengundkopf führte kein Weg, was uns aber nicht davon abhielt, den Gipfel dieses Grasbergs zu erklimmen. Von dort aus ging es auf direkter Linie zum 2238 Meter hohen, ebenfalls grasbewachsenen Wildengundkopf:
Bis hierhin war die Tour wenig spektakulär und aufgrund des heißen Wetters auch ziemlich anstrengend. Beim Anblick der vor uns liegenden Trettachspitze waren jedoch alle Anstregungen schnell vergessen:
Die Wände des 2595 Meter hohe Gipfels waren ohne Ausnahme steil und glatt und nur mit Kletterei der Schwierigkeitsstufe III – IV zu erreichen. Wir mussten uns also mit einem Blick aufs Gipfelkreuz begnügen. Der Weg zum Waltenberger-Haus, der unterhalb des Gipfels vorbeiführte, war für mich sowieso anspruchsvoll genug. Erst ging es aber entspannt durch die Märchenwiese:
Der Weg zum Fuß der Trettachspitze:
Ein Geröllfeld am Wegesrand:
Dieses musste überschritten werden:
An dieser Stelle war mir ebenso mulmig zu Mute wie kurz vor dem Gipfel der Höfats:
Das Gelände war rutschig und es ging steil nach unten, so dass ein Fehltritt oder Ausrutscher nicht zu empfehlen war. Aber wir meisterten auch diese Passage und hatten gegen 18.40 Uhr das Waltenberger-Haus vor Augen:
Das Haus war heute das letzte Mal für Gäste geöffnet. Morgen sollte es abgerissen und durch ein modernes Gebäude ersetzt werden. Dementsprechend voll war es dort. Noch nicht einmal an eine kurze Rast bei einem Glas Wasser war zu denken. Aber es war ohnehin schon fast 19 Uhr und vor uns lag der Abstieg hinunter nach Einödsbach, der laut Tafel zwei Stunden in Anspruch nahm. Wir benötigten zwar nur knapp 80 Minuten, waren aber trotzdem nicht schnell genug, um unsere Fahrräder noch im Hellen zu erreichen. Wie vorausschauend, dass ich heute meine Fahrradbeleuchtung und eine Stirnlampe mitgenommen hatte.
In finsterer Nacht radelten wir zurück nach Oberstdorf. Es war meine erste Nachtfahrt mit einem Fahrrad. Ganz ehrlich: Wandern bei Nacht war wunderbar, aber das Radeln bei Nacht auf unbeleuchteten Wegen war unheimlich. Um kurz nach 21 Uhr standen wir Gott sei Dank heil und unversehrt vor unserem Basislager. Die Daten der Tour: Wir waren siebeneinhalb Stunden unterwegs, davon sechs Stunden und zwanzig Minuten in Bewegung. Insgesamt legten wir 36 Kilometer zurück, davon 22 mit dem Fahrrad. Es waren 1600 Höhenmeter zu überwinden.