Der 3016 Meter hohe Igl Compass ist einer der am leichtesten zu besteigenden Dreitausender der Schweiz: Wer will, kann mit dem Auto zum 2312 Meter hohen Alubulapass hinauffahren und von dort aus über einen rot-weiß-rot markierten Wanderweg zum Gipfel aufsteigen. Der Bahnhof von Preda liegt auf 1789 Meter, wer von hier aus auf den Gipfel des Igl Compass wandert, muss 500 Höhenmeter mehr als vom Albulapass aus zurücklegen. Um den Aufstieg noch etwas abenteuerlicher zu gestalten, wollen wir zudem versuchen, den Gipfel über den Westgrat zu erreichen. Im SAC-Führer sind die Informationen über den Westgrat des Igl Compass nicht sehr ergiebig:
Auch der im oberen Abschnitt brüchige Westgrat, den man von R. 721 gegen rechts aufsteigend erreicht, wurde begangen.
Eine Tourenbeschreibung auf hikr.org ist auch nicht sehr viel informativer:
Der Westgrat ist eine ungebräuchliche Route, aber wer spezielle Geologie liebt, ist hier am richtigen Ort. Der „Fels“ aka Schutt zerbröselt bei Berührung zu cornflakesähnlichen Strukturen. Wenn er der Schwerkraft folgt, entsteht ein richtiges Klangspiel! Findet man den „richtigen“ Weg bzw. die Route, bewegen sich die Schwierigkeiten um T5.
Der Aufstieg über den Westgrat verspricht also eine recht abenteuerliche Tour zu werden. Anfangs geht es aber erst einmal recht gemütlich über den offiziellen Wanderweg hinauf zur Alp Zavretta. Hier werden wir recht freundlich von Kühen und Pferden begrüßt:
An der Alp verlassen wir den Wanderweg und steigen weglos bzw. über Viehpfade zum Grat hinauf:
Der Grat ist zu Beginn einfach zu begehen, außerdem kann man wunderbare Tiefblicke auf die Albulapassstraße und den Lai Palpuogna genießen:
Hier ist Guido ausnahmsweise hinter mir, der Gipfel links im Hintergrund ist der Piz Ela:
Je höher wir kommen, desto felsiger wird das Gelände:
Aber noch ist der Grat bequem zu begehen:
Nur an einer Stelle kommen die Hände zum Einsatz:
Ein weiterer Tiefblick auf das helle Band der Albulapassstraße, der kegelförmige Gipfel rechts im Hintergrund ist der Piz Ot:
Ein Blick auf die Gipfelregion:
Je näher der Gipfel rückt, desto abenteuerlicher wird das Gelände:
Der Fels ist kein Fels mehr, sondern wie in dem Tourenbericht bei Hikr.org beschrieben der reinste Schutthaufen: Überall bröselt und bröckelt es und es will gut überlegt sein, wohin man die Füße setzt. Zudem wird das Gelände immer steiler, so dass die Tatsache, dass wir zu zweit unterwegs sind, zu einem Problem wird: Es besteht die Gefahr, dass der Nachfolgende, in dem meisten Fällen bin ich das, von einem losgetretenen Stein getroffen wird. Um diesem Problem zu entgehen, umgehen wir einen steilen Aufschwung rechts:
Das Gelände, das dann vor uns liegt, sieht allerdings auch nicht gerade freundlich aus, im Gegenteil.
Wir beschließen daher aus Sicherheitsgründen, die Begehung des Westgrats abzubrechen und ein Stück über Schutt absteigend sowie anschließend die Nordflanke querend zum Wanderweg zu gelangen:
Streckenweise ist das Schuttgelände gut begehbar, dann aber wieder extrem bröselig und steil und dementsprechend schwer zu begehen:
Nach einer gefühlten Ewigkeit ist dann in der Ferne endlich der offizielle Wanderweg zu erkennen. Ihn zu erreichen würde jedoch bedeuten, dass wie einen Umweg machen müssten und so entscheiden wir, über eine steile Geröllflanke direkt zum Gipfel aufzusteigen. Nun ja, der Aufstieg über den Wanderweg wäre sicherlich einfacher gewesen, der direkte Aufstieg ist steil und rutschig. An vielen Stellen geht es einen Schritt vorwärts und einen halben wieder zurück.
Aber irgendwie gelingt es uns dann doch, etwa 50 Meter unterhalb des Gipfels zu landen. Die letzten Meter hinauf zum Gipfel sind dagegen ein Spaziergang. Geschafft: 
An der Vielzahl der Gipfelsteinmänner ist zu sehen, wie viel loses Gestein hier herumliegt! Gipfelrast:
Die Gipfelrast währt nur kurz, denn der Zugfahrplan mahnt wieder einmal zur Eile. Der erste Teil des Abstieg folgt über den zur Fuorcla Zavretta führenden Wanderweg:
Von der Fuorcla Zavretta aus geht es im Laufschritt weiter Richtung Alp Zavretta, den Piz Ela immer vor Augen:
Vom Wanderweg aus können wir den ganzen Westgrat bewundern, der weiße Pfeil markiert den Beginn unseres Abenteuers:
Hier ist der obere Teil des Westgrats zu sehen, der weiße Pfeil markiert in etwa die Stelle, an der wir den Aufstieg abgebrochen haben, der schwarze Pfeil die Stelle, bis zu er wir abgestiegen sind, um dann über Geröll entlang der Nordflanke zu queren:
Auch wenn für uns die Besteigung des Igl Compass über den Westgrat nicht möglich war, sind wir doch froh, dass wir es versucht haben. Der Normalweg wäre uns viel zu langweilig gewesen!
PS: Ein Blumengruß von den Weiden der Alp Zavretta:
PPS: Aufgrund der überaus knapp gehaltenen Tourenbeschreibungen im SAC-Führer und auf Hikr.com bestehen berechtigte Zweifel, dass der Westgrat in der letzten Zeit überhaupt von jemandem komplett begangen wurde. Wir freuen uns über jede gegenteilige Rückmeldung!
PPPS: Das Video zur Tour:
PPPPS: Guidos Tourenbericht, einschließlich einer interaktiven Karte: Igl Compass.































































Nach dem Überqueren der Strasse gelangen wir schließlich auf den Wanderweg, der sich vom Albulapass hinunterzieht. Der Blick vom Wanderweg hinunter zu weiteren, kleinen, tiefblaue Seen im Tal ist malerisch, wird jedoch leider durch Hochspannungsleitungen gestört. Bei Crap Alv, einer Forschungsstation der ETH Zürich – erforscht werden hier die hochalpine Milchkuh- und Schafhaltung sowie die montane Vegetation – müssen wir die Passstrasse nochmals überqueren und erreichen dann leicht absteigend den Palpuognasee:
Die Wanderung in der Übersicht:
























Schlussendlich sind wir ziemlich genau sechs Stunden unterwegs. Die Tour in der Übersicht:
