Wer den höchsten Punkt des Parsenngebiets ansteuert, sucht die ganz große Perspektive und wird auf dem Weissfluhgipfel (2843 Meter) nicht enttäuscht. Schon die Fahrt hinauf hat etwas Erhabenes: Zuerst geht es mit der geschichtsträchtigen Parsennbahn von Davos Dorf hinauf zum Weissfluhjoch, und von dort aus schwebt man mit der Luftseilbahn dem felsigen, markanten Gipfelplateau entgegen.
Oben angekommen weht einem ein frischer, alpiner Wind um die Nase. Die Kulisse ist atemberaubend und fast unwirklich: Eine karge, felsige Mondlandschaft aus den hellen Sedimenten der Aroser Dolomiten bricht zu allen Seiten steil ab, während sich darunter ein unendliches Meer aus Alpengipfeln ausbreitet. Doch neben der gewaltigen Natur fällt sofort die besondere Architektur des Gipfels ins Auge: Die Weissfluh ist kein unberührter Naturgipfel, sondern ein strategisch wichtiger, hochalpiner Stützpunkt.
Direkt auf dem Gipfelplateau thronen markante, zweckmässige Bauten, die zum ganzjährigen Stützpunkt der Schweizer Armee gehören. Die zivile Seilbahn dient hier gleichzeitig als wichtiger militärischer Zubringer. Weithin sichtbar sind die grossen Radarkuppeln (Radome) und weiss glänzenden Antennenanlagen. Als Teil der Schweizer Luftraumüberwachung und des militärischen Funk- und Kommunikationsnetzwerks wirken diese High-Tech-Installationen inmitten der schroffen Felsen wie eine geheime Forschungsstation aus einem Agentenfilm. Kameras überwachen das abgesperrte Areal, auf dem das Militär hochentwickelte Überwachungstechnik betreibt. Dieser Kontrast aus ungezähmter Bergwelt und strategischer Hochtechnologie verleiht dem Ort eine ganz eigene, spannungsgeladene Atmosphäre.
Der 360-Grad-Rundumblick, den man zwischen diesen beeindruckenden Anlagen geniesst, ist phänomenal. Richtung Norden schweift der Blick über das langgezogene Prättigau hinweg bis zu den schroffen Kalkwänden des Rätikons mit der markanten Schesaplana. Dahinter blitzen an klaren Tagen bereits die markanten Gipfel der österreichischen Vorarlberger Alpen auf. Hier stehen wir etwas unterhalb des Nordgipfels und der Blick auf die im Norden liegenden Gipfel wird durch das Gipfelplateau verdeckt:
Richtung Osten baut sich die mächtige Kulisse der Silvrettagruppe (mit dem Piz Buin) auf. Weiter südöstlich rücken die markanten Massive des Unterengadins in den Fokus und zu unseren Füßen liegt die Baustelle einer neuen Liftanlage:
Im Süden liegt das tief eingeschnittene Landwassertal mit der Alpenstadt Davos. Dahinter thronen die mächtigen Riesen der Albula-Alpen, allen voran das formschöne Tinzenhorn, das wie ein steinernes Matterhorn in den Himmel ragt. Bei perfekter Fernsicht blitzt ganz im Hintergrund sogar das weltberühmte Bernina-Massiv mit dem Piz Bernina auf. Im Westen fällt der Blick hinab ins alpine Sapünertal und das Schanfigg in Richtung Arosa. Die Gipfelkette rund um das Aroser Rothorn und die sanfteren Hügelzüge des inneren Graubündens dominieren hier das Bild, bevor die Sicht bei extrem klaren Bedingungen bis zu den schneebedeckten Viertausendern der Berner Alpen und sogar zum fernen Walliser Matterhorn reicht:
Noch ein Blick Richtung Arosa:
Mein Fazit: Der Weissfluhgipfel ist ein faszinierender Logenplatz der Alpen. Wer den Kontrast aus rauer Bergwelt, dem geheimnisvollen Charakter einer hochalpinen Festung und einer schier endlosen Bergschau sucht, findet hier oben ein einzigartiges Erlebnis. Ein absolutes Muss bei jedem Davos-Besuch!





